Garten und Balkon

Igel im Herbst: Wann Sie jetzt helfen sollten und wann gut gemeinte Hilfe schadet

Igel läuft im goldenen Abendlicht über buntes Herbstlaub auf einem Rasen, dahinter ein Haufen aus Laub und Reisig
Unterwegs auf Futtersuche: Im Oktober fressen sich Igel ihre Reserven für den Winter an. (Symbolbild: Immomeg)

Ein Igel im Oktober ist meist kein Notfall, sondern ein Tier auf Futtersuche. Gärtnermeisterin Katrin Hoffmeister erklärt, wann Sie die Igelstation anrufen sollten, was ins Schälchen gehört und warum etwas Unordnung im Garten hilft.

6 Min. Lesezeit Geprüft am 12.10.2026

Das Wichtigste in Kürze

  • Der Westeuropäische Igel steht seit Oktober 2024 auf der globalen Roten Liste der IUCN als potenziell gefährdet.
  • Ein Igel, der bei Kälte tagsüber umherläuft, torkelt oder apathisch im Freien liegt, braucht Hilfe von einer Igelstation oder Tierarztpraxis.
  • Geeignet sind Katzennassfutter, ungewürztes Rührei oder Igelfutter und eine flache Schale Wasser, aber niemals Milch.
  • Laub- und Reisighaufen liegen lassen und einen Durchschlupf von etwa 13 x 13 Zentimetern im Zaun schaffen.
Inhalt dieses Artikels
  1. Warum der Igel inzwischen auf der Roten Liste steht
  2. Gesund oder hilfsbedürftig? Darauf achte ich
  3. Zufüttern: Was in die Schale gehört und was nicht
  4. Unordnung ist Igelschutz: So wird Ihr Garten zum Winterquartier
  5. Mähroboter, Feuer, Aufräumwut: Gefahren, an die kaum jemand denkt
  6. Was ich selbst im Herbst für meine Igel tue
  7. Häufige Fragen

Gestern Abend, es dämmerte schon, raschelte es unter meiner Haselhecke. Ich stand noch mit der Gießkanne am Gemüsebeet und hörte dieses Schnaufen und Schmatzen, das immer ein bisschen klingt, als würde ein älterer Herr im Laub nach seiner Brille suchen. Ein Igel auf seiner Abendrunde, rund und zielstrebig.

Im Oktober ist das genau richtig so. Igel fressen sich jetzt ihre Reserven für den Winterschlaf an. Trotzdem bekomme ich in diesen Wochen ständig Fragen aus der Nachbarschaft: Muss ich den reinholen? Darf ich füttern? Und was ist mit dem Kleinen, der gestern Mittag über die Terrasse lief?

Vorweg: Ein Igel im Garten ist meistens kein Notfall. Es gibt aber Situationen, in denen Sie schnell handeln sollten. Und es gibt Hilfe, die gut gemeint ist und trotzdem schadet.

Warum der Igel inzwischen auf der Roten Liste steht

Lange galt der Igel als Allerweltstier. Seit Oktober 2024 führt die Weltnaturschutzunion IUCN den Westeuropäischen Igel, bei uns auch Braunbrustigel genannt, auf ihrer globalen Roten Liste als „potenziell gefährdet“. Das ist noch keine höchste Alarmstufe, aber eine deutliche Vorwarnung. Wer mit offenen Augen durchs Dorf geht, ahnt, warum: Straßen, Mähroboter, Schottergärten und kaum noch Ecken, in denen Käfer und Raupen leben.

In Deutschland ist der Igel nach dem Bundesnaturschutzgesetz besonders geschützt. Sie dürfen ihn nicht einfach fangen oder als Haustier halten. Verletzte, kranke oder hilflose Igel dürfen Sie aber vorübergehend aufnehmen, um sie gesund zu pflegen und danach wieder freizulassen. Ein gesunder Igel gehört nach draußen, auch wenn es kalt wird.

Gesund oder hilfsbedürftig? Darauf achte ich

Ein Igel, der nachts durch den Garten trippelt, mit der Nase am Boden nach Futter sucht und sich bei Gefahr einrollt, ist in Ordnung. Auch wenn er Ihnen etwas klein vorkommt. Hellhörig werde ich erst bei diesen Anzeichen:

  • Er ist am helllichten Tag unterwegs, vor allem bei Kälte.
  • Er torkelt, schwankt oder läuft unsicher im Kreis.
  • Er liegt apathisch im Freien, statt sich zu verstecken.
  • Am Körper sitzen Fliegeneier (kleine weiße Klümpchen) oder Maden.
  • Er hat sichtbare Verletzungen.
  • Ein sehr kleines Jungtier ist bei Frost noch draußen unterwegs.

Trifft einer dieser Punkte zu, rufen Sie eine Igelstation oder eine Tierarztpraxis an, bevor Sie irgendetwas anderes tun. Dort sagt man Ihnen, ob Sie das Tier bringen sollen. Bis dahin setze ich einen Igel mit Gartenhandschuhen in einen hohen Karton mit Zeitungspapier und stelle ihn an einen ruhigen Ort.

Für Jungtiere gilt bei vielen Igelschutzstellen als Faustregel, dass sie vor dem Winter um die 500 Gramm wiegen sollten, je nach Station leicht unterschiedlich. Der Winterschlaf beginnt meist ab November, ein Jungtier hat im Oktober also oft noch ein paar Wochen Zeit zum Fressen. Wer unsicher ist, ruft lieber einmal zu viel an als einmal zu wenig.

Ich habe das selbst einmal erlebt. Vor ein paar Jahren saß Ende November mittags ein Jungtier neben meinem Komposthaufen, kaum größer als eine Orange. Auf der Küchenwaage, in einer Salatschüssel, zeigte es deutlich unter 500 Gramm. Ich habe es noch am selben Nachmittag zur Igelstation gefahren. Dort hat es den Winter verbracht, und im Frühjahr durfte ich es wieder bei mir unter der Hecke freilassen.

Älterer Mann mit grauem Bart kniet unter einer Hecke und stellt eine flache Schale Wasser und Futter neben ein hölzernes Igelhaus
Flache Wasserschale, etwas Katzenfutter, ein ruhiges Quartier: Mehr braucht es oft nicht.

Zufüttern: Was in die Schale gehört und was nicht

In einem naturnahen Garten finden Igel reichlich zu fressen: Käfer, Regenwürmer, Raupen, Larven. In aufgeräumten Gärten wird es im Herbst dagegen schnell knapp. Dort kann eine Futterstelle eine echte Hilfe sein, gerade für Tiere, die vor dem Winter noch zulegen müssen.

FutterGeeignet?Mein Hinweis
Katzennassfutterjagibt es in jedem Supermarkt
Rühreijaohne Salz und Gewürze
Spezielles Igelfutterjaaus dem Zoofachhandel
Frisches Wasserjain einer flachen Schale, täglich wechseln
Milchneinführt zu Durchfall
Obst, Nüsse, Brotneingehören nicht auf den Speiseplan eines Insektenfressers

Bei uns im Dorf streifen abends einige Katzen herum, die sich über Katzenfutter natürlich genauso freuen. Deshalb steht mein Futterschälchen unter einer umgedrehten Kunststoffkiste, in die ich seitlich einen Eingang von etwa 10 x 10 Zentimetern geschnitten habe. Ein Feldstein obendrauf, fertig. Der Igel passt hindurch, die Katzen bleiben in aller Regel draußen. Die Schale wasche ich jeden Morgen aus, damit keine Reste vergammeln.

Unordnung ist Igelschutz: So wird Ihr Garten zum Winterquartier

Das Beste, was Sie für Igel tun können, kostet nichts. Es spart sogar Arbeit, und das sage ich als Gärtnermeisterin mit voller Überzeugung.

  • Laub und Reisig liegen lassen: Ein lockerer Haufen in einer ruhigen Ecke, am besten unter einer Hecke, ist ein ideales Winterquartier.
  • Durchschlupf schaffen: Eine Öffnung von etwa 13 x 13 Zentimetern unten im Zaun reicht, damit Igel von Garten zu Garten wandern können.
  • Lichtschächte abdecken: Ein feines Gitter darüber, sonst werden sie zur Falle.
  • Teich sichern: Igel können schwimmen, kommen an steilen, glatten Ufern aber nicht wieder heraus. Ein schräg gelegtes Brett oder ein paar flache Steine als Ausstiegshilfe genügen.
  • Laubsauger stehen lassen: Er saugt mit den Blättern auch die Tiere ein, von denen Igel leben.

Den Rasen müssen Sie deshalb nicht im Laub versinken lassen. Rechen Sie die Blätter einfach vom Rasen unter die Hecke, dann haben beide etwas davon. Wie Sie den Rasen jetzt winterfest machen, steht in unserem Beitrag über den letzten Rasenschnitt im Oktober. Und warum ich von Laubsaugern wenig halte, erkläre ich im Text über die erlaubten Zeiten für Laubbläser.

Unter meiner Haselhecke steht seit Jahren ein Igelhaus aus Holz, gefüllt mit trockenem Laub. Fast jeden Winter zieht dort jemand ein. Ich schaue nie nach. Sicher weiß ich es erst im Frühjahr, wenn das Laub am Eingang plötzlich zur Seite geschoben ist.

Mähroboter, Feuer, Aufräumwut: Gefahren, an die kaum jemand denkt

Igel verlassen sich bei Gefahr auf ihre Stacheln. Sie rollen sich ein, statt wegzulaufen. Gegen Messer und Motoren hilft das nicht.

Mähroboter verletzen viele Igel. Lassen Sie das Gerät deshalb nie nachts und nicht in der Dämmerung fahren, denn genau dann sind die Tiere unterwegs.

Feuer: Wer einen Reisig- oder Laubhaufen verbrennen möchte, sollte ihn vorher vollständig umschichten. Ein Igel, der sich darin eingerichtet hat, läuft nicht weg. Ob Sie überhaupt verbrennen dürfen, regelt Ihre Gemeinde.

Aufräumwut: Winterschlafende Igel nicht wecken, Nester nicht aufstöbern. Erwischen Sie doch eines, legen Sie Laub und Zweige vorsichtig wieder darüber und lassen die Stelle in Ruhe. Jedes Aufwachen kostet den Igel Energie, die ihm später fehlt.

Was ich selbst im Herbst für meine Igel tue

Nicht viel, und das ist Absicht. Das Laub der alten Apfelbäume reche ich vom Weg unter die Hecken, die Staudenbeete bleiben bis zum Frühjahr stehen, und der Reisighaufen vom Obstbaumschnitt liegt seit Jahren in derselben Ecke. Die Futterkiste steht ab Ende September neben dem Igelhaus.

Irgendwann im November bleibt die Schale morgens voll. Dann räume ich die Kiste weg, und in der Ecke unter der Hecke gilt Betretungsverbot, auch für mich. Opas alter Gartenzwerg hält dort ohnehin Wache.

Mein wichtigster Rat: Beobachten Sie, bevor Sie eingreifen. Ein Igel braucht von uns vor allem einen Garten, in dem er Igel sein darf. Und wenn Ihnen einer wirklich krank vorkommt, holen Sie sich Hilfe bei einer Igelstation, statt selbst herumzudoktern.

Häufige Fragen

Darf ich einen Igel im Herbst mit ins Haus nehmen?

Nur wenn er verletzt, krank oder hilflos ist. Dann erlaubt das Bundesnaturschutzgesetz, ihn vorübergehend zur Pflege aufzunehmen, bis er sich wieder selbst versorgen kann. Gesunde Igel bleiben draußen. Sprechen Sie vorher mit einer Igelstation, denn die Pflege ist aufwendiger, als viele denken.

Wann beginnt der Winterschlaf der Igel?

Je nach Witterung meist ab November. In milden Herbsten sind manche Tiere auch dann noch unterwegs, das ist kein Grund zur Sorge. Ein Igel, der bei Frost am helllichten Tag umherläuft, braucht dagegen wahrscheinlich Hilfe.

Was tue ich, wenn ich beim Laubrechen einen schlafenden Igel finde?

Nicht anfassen und nicht wecken. Decken Sie ihn vorsichtig wieder mit Laub zu und lassen Sie die Stelle bis zum Frühjahr in Ruhe. Nur wenn das Tier verletzt aussieht, rufen Sie eine Igelstation an.

Quellen und Grundlagen

  • IUCN Rote Liste: Westeuropäischer Igel (Erinaceus europaeus), Einstufung als Near Threatened 2024
  • Bundesnaturschutzgesetz, § 44 und § 45 Abs. 5
  • NABU: Igel im Garten
  • Pro Igel e. V.: Informationen zur Igelhilfe

Stand: 12. Oktober 2026.

Das könnte Sie auch interessieren

Mehr Garten