Rosen winterfest machen: Anhäufeln statt Schneiden (und warum die Schere bis zur Forsythienblüte wartet)
Im Herbst juckt es viele in den Fingern, die Rosen kräftig zurückzuschneiden. Katrin Hoffmeister rät ab: Was Rosen jetzt wirklich schützt, ist eine Handvoll Erde an der richtigen Stelle. So machen Sie Beet-, Kübel- und Stammrosen fit für den Winter.
Das Wichtigste in Kürze
- Die empfindlichste Stelle einer Rose ist die Veredelungsstelle am Fuß, sie wird im Herbst mit etwa 15 bis 20 Zentimetern Erde oder Kompost angehäufelt.
- Im Herbst werden höchstens zu lange Triebe leicht eingekürzt, damit Wind sie nicht abknickt; der eigentliche Rückschnitt folgt im Frühjahr, wenn die Forsythien blühen.
- Tannen- oder Fichtenreisig schützt zusätzlich vor Wintersonne und Austrocknung, Plastikfolie hat am Rosenstock nichts zu suchen.
- Kübelrosen brauchen Schutz für den Wurzelballen: Topf einpacken, auf eine isolierende Unterlage stellen und an frostfreien Tagen mäßig gießen.
Inhalt dieses Artikels
Jeden Herbst stand er in der Gärtnerei an der Kasse, der Kunde mit der neuen Gartenschere. Mal war es ein Mann, der seinem Vorgarten „ordentlich einen Winterschnitt verpassen“ wollte, mal eine Frau, die gelesen hatte, dass man Rosen vor dem Frost runterschneiden müsse. Fast immer kam dieselbe Frage: Wie tief?
Meine Antwort hat viele enttäuscht. Im Herbst so gut wie gar nicht. Was Rosen jetzt schützt, ist nicht die Schere, sondern eine Handvoll Erde an der richtigen Stelle.
Bei mir im Garten bei Lüneburg stehen ein gutes Dutzend Rosen, die meisten alt und robust, ein paar empfindliche Edelrosen und eine Kletterrose am Schuppen. Die Arbeit für den Winter dauert an einem Nachmittag Ende Oktober keine zwei Stunden.
Warum die Veredelungsstelle so wichtig ist
Die meisten Gartenrosen, die Sie kaufen, sind veredelt. Die Sorte mit den schönen Blüten sitzt auf einer robusten Wildrosen-Unterlage, die für die Wurzeln zuständig ist. Die Stelle, an der beide zusammengewachsen sind, sehen Sie als kleine Verdickung am Fuß der Pflanze, knapp unter oder an der Erdoberfläche.
Genau diese Veredelungsstelle ist der empfindlichste Teil der Rose. Erfriert sie, stirbt die Edelsorte ab. Im schlechtesten Fall treibt im Frühjahr nur noch die Unterlage aus, mit kleinen Blättern und einfachen Wildrosenblüten. In der Gärtnerei haben mir Kundinnen solche Rosen im Juni ratlos als „verwildert“ gezeigt.
Oberirdische Triebe dagegen frieren zwar gelegentlich zurück, das ist für die Rose aber meist kein Drama. Sie treibt aus den Augen weiter unten wieder aus, solange der Fuß gesund geblieben ist.
So häufeln Sie Ihre Rosen richtig an
Der richtige Zeitpunkt ist, wenn es dauerhaft kühl wird und bevor stärkere Fröste kommen. In den meisten Regionen Deutschlands ist das Ende Oktober bis Mitte November.
- Laub unter den Rosen aufsammeln. Vor allem Blätter mit schwarzen Flecken gehören in die Biotonne, nicht auf den Kompost. Darin überwintern Pilzkrankheiten wie Sternrußtau.
- Erde oder reifen Kompost holen. Nehmen Sie die Erde nicht direkt vom Fuß der Rose weg, sonst legen Sie die Wurzeln frei. Ich nehme Gartenerde aus einem anderen Beet oder Kompost.
- Etwa 15 bis 20 Zentimeter hoch anhäufeln. Die Erde wird als kleiner Hügel rund um den Fuß der Rose aufgeschüttet, sodass die Veredelungsstelle und die unteren Augen gut bedeckt sind.
- Bei empfindlichen Sorten zusätzlich Reisig. Ein paar Tannen- oder Fichtenzweige über den Hügel und locker an die Triebe gelehnt schützen vor kalten Winden und der Wintersonne.
Rindenmulch nehme ich zum Anhäufeln nicht. Er hält die Feuchtigkeit schlechter fern und ist nicht so gut wieder abzutragen wie lockere Erde.

Was im Herbst geschnitten wird und was nicht
Ein kleiner Herbstschnitt ist erlaubt, aber nur aus einem Grund: Wind. Sehr lange Triebe, die über den Winter vom Wind hin und her gerissen würden, kürze ich um ein Drittel ein, damit sie nicht abknicken oder die Rose im Boden lockern. Verblühtes darf auch ab, wenn es Sie stört.
Alles andere wartet bis zum Frühjahr. Die alte Gärtnerregel lautet: Rosen werden geschnitten, wenn die Forsythien blühen. Je nach Region ist das etwa Ende März bis Mitte April. Dann sehen Sie auch, welche Triebe den Winter gut überstanden haben und welche erfroren sind.
Wer im Herbst stark schneidet, regt die Rose im ungünstigen Fall noch zu einem Austrieb an, der vor dem Frost nicht mehr ausreift. Und die abgeschnittenen Triebe fehlen, falls der Winter ohnehin etwas zurückfrieren lässt.
Bei den Hortensien im Herbst ist es übrigens ganz ähnlich: Auch dort bleibt die Schere jetzt besser im Schuppen.
Kübelrosen und Stammrosen brauchen mehr Schutz
Rosen im Kübel frieren nicht zuerst oben, sondern von unten und von der Seite. Der Wurzelballen hat in einem Topf viel weniger Erde um sich als im Beet. So komme ich bei meinen Kübelrosen auf der Terrasse durch den Winter:
- Den Topf auf eine isolierende Unterlage stellen, etwa ein Stück Holz oder eine Styroporplatte.
- Den Topf mit Jute, Kokosmatte oder einer alten Decke rundherum einpacken.
- Den Kübel nah an die Hauswand rücken, geschützt vor Ostwind und Wintersonne.
- An frostfreien Tagen mäßig gießen. Rosen im Kübel vertrocknen im Winter häufiger, als sie erfrieren.
Ausführlicher habe ich die Fehler beim Überwintern im Topf für Oleander, Olive und Zitrone beschrieben. Vieles davon gilt auch für Rosen.
Stammrosen haben ihre Veredelungsstelle nicht am Boden, sondern oben unter der Krone. Dort braucht sie Schutz. Ich stülpe einen Sack aus Gartenvlies über die Krone und binde ihn locker unten zu. Der Stamm selbst bekommt bei starken Frösten eine Lage Jute. Kleine Stammrosen lassen sich auch vorsichtig umbiegen und am Boden mit Erde abdecken, das erfordert aber etwas Übung.
Im Frühjahr: Hügel wieder weg
Der Winterschutz bleibt, bis keine starken Fröste mehr zu erwarten sind, meist bis Ende März oder Anfang April. Dann ziehe ich die Erde an einem bedeckten Tag vorsichtig wieder ab und verteile sie im Beet. Bei Sonne würden die jungen, hellen Austriebe sonst leicht verbrennen.
Danach kommt der Schnitt, und dann der erste Dünger. Ab Juli gebe ich meinen Rosen übrigens keinen stickstoffbetonten Dünger mehr, damit die Triebe bis zum Herbst ausreifen können. Das ist im Grunde der erste Schritt zum Winterschutz, lange bevor die Erde angehäufelt wird.
Häufige Fragen
Wann sollte ich Rosen anhäufeln?
Wenn es dauerhaft kühl wird und bevor stärkere Fröste kommen, in den meisten Regionen Deutschlands Ende Oktober bis Mitte November. Bei einem frühen Wintereinbruch lieber etwas früher.
Darf ich Rosen im Herbst zurückschneiden?
Nur leicht. Sehr lange Triebe dürfen um etwa ein Drittel eingekürzt werden, damit der Wind sie nicht abknickt. Der eigentliche Rückschnitt folgt im Frühjahr, wenn die Forsythien blühen.
Brauchen alle Rosen Winterschutz?
Robuste Strauch- und Wildrosen kommen in vielen Gegenden auch ohne viel Schutz aus. Edel- und Beetrosen, frisch gepflanzte Rosen, Stammrosen und Rosen im Kübel sollten Sie aber schützen. Das Anhäufeln der Veredelungsstelle schadet keiner Rose.
Quellen und Grundlagen
- Bayerische Gartenakademie: Hinweise zum Winterschutz und Schnitt von Rosen
- Gesellschaft Deutscher Rosenfreunde: Pflegehinweise für Gartenrosen
- Royal Horticultural Society: Pruning roses
- Eigene Erfahrung aus 15 Jahren Gärtnereipraxis
Stand: 16. Oktober 2026.
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