Was die Zahlen am Heizkörper-Thermostat wirklich bedeuten (und warum Stufe 5 nicht schneller heizt)
Die Zahlen auf dem Thermostatkopf stehen nicht für Heizleistung, sondern für eine Zieltemperatur. Wer auf 5 dreht, hat es nicht schneller warm, sondern irgendwann viel zu warm. Welche Zahl wie viel Grad bedeutet und was das spart.
Das Wichtigste in Kürze
- Auf den meisten Thermostatköpfen entspricht Stufe 3 etwa 20 Grad, jede Zahl mehr oder weniger bedeutet rund 4 Grad.
- Stufe 5 heizt nicht schneller, der Heizkörper hört nur später auf, nämlich erst bei etwa 28 Grad.
- Das Umweltbundesamt empfiehlt etwa 20 Grad in Wohnräumen, 18 Grad in der Küche und 17 Grad im Schlafzimmer.
- Jedes Grad weniger spart rund 6 Prozent Heizenergie, kein Raum sollte aber dauerhaft unter etwa 16 Grad auskühlen.
Inhalt dieses Artikels
Es ist halb sieben, draußen ist es schon dunkel, und mein Partner kommt mit kalten Händen zur Tür herein. Sein erster Handgriff, noch bevor die Schuhe aus sind: Thermostat im Wohnzimmer auf 5. „Damit es schneller warm wird.“ So hat er es jahrelang gemacht. Und so machen es, das weiß ich aus meiner Zeit in der Energieberatung, erstaunlich viele Menschen.
Klingt logisch. Ist es aber nicht. Die Zahlen auf dem Thermostat funktionieren nicht wie ein Gaspedal, sondern eher wie ein Tempomat: Sie legen fest, wie warm der Raum am Ende werden soll. Wie schnell er dort ankommt, ändert die Zahl nicht.
Bei uns endete das früher jeden Winter gleich: Gegen neun saßen wir im T-Shirt auf dem Sofa, das Fenster stand auf Kipp, und der Heizkörper lief munter weiter.
Was im Thermostatkopf eigentlich passiert
Der Drehknopf am Heizkörper heißt Thermostatkopf, und in ihm sitzt ein kleiner Temperaturfühler. Meist ist er mit Wachs oder einer Flüssigkeit gefüllt, die sich bei Wärme ausdehnt. Wird es im Zimmer wärmer, drückt der Fühler auf einen Stift im Ventil und drosselt den Zufluss von heißem Heizungswasser. Kühlt der Raum ab, zieht sich die Füllung wieder zusammen, und das Ventil öffnet sich.
Mit der Zahl stellen Sie also nur ein, ab welcher Raumtemperatur dieses Spiel beginnt. Das Thermostat misst die Luft direkt an seinem Kopf und regelt danach. Es weiß nichts vom Wetter und auch nichts davon, dass Sie gerade frieren.
Welche Zahl wie viel Grad bedeutet
Je nach Hersteller weicht die Zuordnung etwas ab. Für die meisten gängigen Thermostatköpfe taugt diese Übersicht aber gut als Orientierung:
| Einstellung | Ungefähre Raumtemperatur | Wofür sie taugt |
|---|---|---|
| Sternchen | etwa 6 Grad | Frostschutz, die Heizung springt nur an, damit nichts einfriert |
| 1 | etwa 12 Grad | für bewohnte Räume deutlich zu kalt |
| 2 | etwa 16 Grad | Untergrenze, kälter sollte kein Raum dauerhaft werden |
| zwischen 2 und 3 | etwa 17 bis 18 Grad | Schlafzimmer und Küche |
| 3 | etwa 20 Grad | Wohnzimmer, Kinderzimmer, Arbeitszimmer |
| 4 | etwa 24 Grad | nur selten wirklich nötig |
| 5 | etwa 28 Grad | Maximum, im Alltag meist Verschwendung |
Die kleinen Striche zwischen den Zahlen stehen jeweils für ungefähr ein Grad. Wer im Schlafzimmer 17 Grad möchte, dreht also auf den ersten Strich nach der 2. Für die Küche mit 18 Grad ist es der zweite Strich.
Aufs Grad genau ist das nicht, denn das Thermostat misst direkt am Heizkörper, Sie sitzen aber zwei oder drei Meter weiter. In unserer Kölner Altbauwohnung sind die Decken gut drei Meter hoch, und unter den alten Fenstern zieht es ein bisschen. Bei uns zeigt das Thermometer im Regal auf Stufe 3 eher 19 als 20 Grad.

Warum Stufe 5 nicht schneller heizt
Nehmen wir an, Ihr Wohnzimmer hat abends 15 Grad, und Sie möchten 20. Drehen Sie auf 3, meldet der Fühler: viel zu kalt. Das Ventil öffnet vollständig. Drehen Sie auf 5, meldet der Fühler ebenfalls: viel zu kalt. Das Ventil öffnet vollständig. Weiter als ganz offen geht es nicht.
In beiden Fällen fließt also gleich viel Heizungswasser durch den Heizkörper, und es ist gleich heiß. Wie schnell ein Raum warm wird, hängt von der Wassertemperatur Ihrer Heizungsanlage, von der Größe des Heizkörpers und vom Raum selbst ab.
Der Unterschied zeigt sich erst später. Auf Stufe 3 drosselt das Ventil bei etwa 20 Grad. Auf Stufe 5 heizt der Heizkörper einfach weiter, bis es im Zimmer um die 28 Grad hat oder bis jemand genervt das Fenster aufreißt. Genau das war unsere T-Shirt-Szene auf dem Sofa.
Überzeugt hat meinen Partner am Ende keine Erklärung von mir, sondern seine eigene Hand. Wir haben an einem kalten Abend das Wohnzimmer auf 3 und das Arbeitszimmer auf 5 gedreht. Nach ein paar Minuten waren beide Heizkörper gleich heiß. Seitdem hat die 5 bei uns Pause.
Als Faustregel gilt: Jedes Grad weniger spart rund 6 Prozent Heizenergie. Wer dauerhaft 22 statt 20 Grad hat, verbraucht also grob 12 Prozent mehr. Bei Heizkosten von 1.000 Euro im Jahr wären das ungefähr 120 Euro. Ihre eigenen Zahlen können Sie im Heizkosten-Sparrechner durchspielen, einem der Rechner auf unserer Startseite.
Welche Temperatur in welchen Raum gehört
Das Umweltbundesamt empfiehlt als Orientierung etwa 20 Grad in Wohnräumen, etwa 18 Grad in der Küche und etwa 17 Grad im Schlafzimmer. In der Küche geben Herd und Backofen beim Kochen ohnehin Wärme ab. Und im Schlafzimmer liegt man die meiste Zeit unter einer warmen Decke.
Nach unten gibt es allerdings eine Grenze. Kein Raum sollte dauerhaft unter etwa 16 Grad auskühlen. Sonst werden die Wände kalt, Feuchtigkeit aus der Luft schlägt sich dort nieder, und es droht Schimmel. Wer morgens nasse Scheiben hat, kennt das Prinzip. Mehr dazu steht in unserem Artikel über Kondenswasser am Fenster.
Und nachts oder wenn niemand zu Hause ist?
Ganz abdrehen ist in kalten Nächten keine gute Idee, eben wegen der 16-Grad-Grenze. Ein bis zwei Striche weniger sind dagegen meist kein Problem. Programmierbare oder smarte Thermostate erledigen das automatisch: Sie senken ab, wenn Sie schlafen oder unterwegs sind, und heizen rechtzeitig wieder hoch.
Wir haben zwei programmierbare Köpfe montiert, nach kurzer Rückfrage bei unserer Vermieterin. Die alten liegen beschriftet im Keller, für den Tag, an dem wir ausziehen. Prüfen Sie vor dem Kauf, ob es für Ihr Ventil einen passenden Adapter gibt. Und denken Sie bei Geräten mit eigener Uhr an die Zeitumstellung am 25. Oktober.
Drei Situationen, in denen die Zahl nicht hilft
Diese drei Fälle sind mir in Beratungsgesprächen immer wieder begegnet:
- Etwas steht davor. Ein Sofa, ein bodenlanger Vorhang oder eine Heizkörperverkleidung staut die Wärme direkt am Thermostat. Der Fühler meldet „warm genug“ und drosselt, obwohl der Rest des Zimmers noch kalt ist. Für verkleidete Heizkörper gibt es Thermostatköpfe mit einem separaten Fühler, der an der Wand sitzt.
- Lüften bei aufgedrehtem Thermostat. Beim Stoßlüften strömt kalte Luft am Fühler vorbei, das Ventil öffnet voll, und Sie heizen buchstäblich zum Fenster hinaus. Drehen Sie das Thermostat vor dem Lüften zu und danach wieder auf Ihren gewohnten Strich.
- Der Heizkörper bleibt trotz Stufe 3 oben kalt. Dann ist meistens nicht das Thermostat schuld, sondern Luft im Heizkörper. Wie Sie das in wenigen Minuten selbst beheben, zeigt unsere Anleitung zum Heizkörper entlüften.
Bei uns war es übrigens Nummer eins. Unser Wohnzimmervorhang hing jahrelang direkt vor dem Thermostat. Seit er ein Stück kürzer ist, wird das Zimmer auf derselben Stufe spürbar wärmer.
Was bei uns heute am Thermostat gilt
Inzwischen hat jedes Thermostat in unserer Wohnung seinen festen Platz auf der Skala. Im Wohnzimmer steht der Kopf knapp über der 3, weil wir dort sonst bei 19 Grad landen. Im Schlafzimmer ist es der erste Strich nach der 2.
Weil unsere dreijährige Tochter Drehknöpfe unwiderstehlich findet, habe ich die richtigen Stellen mit einem winzigen Punkt Nagellack markiert. So finden wir nach jedem Kinder-Dreh schnell zurück.
Die 5 nutzen wir nur noch einmal im Jahr: wenn im Herbst die Heizkörper entlüftet werden und dafür richtig warm sein sollen. Mein Partner nennt sie seitdem die Werkstattstufe.
Häufige Fragen
Wird es auf Stufe 5 schneller warm?
Nein. Ist der Raum kälter als eingestellt, öffnet das Ventil auf Stufe 3 genauso weit wie auf Stufe 5. Der einzige Unterschied: Auf 5 heizt der Heizkörper weiter, bis etwa 28 Grad erreicht sind, und das kostet unnötig Energie.
Welche Stufe entspricht 20 Grad?
Bei den meisten Thermostatköpfen ist das die 3. Die tatsächliche Temperatur kann je nach Raum etwas abweichen. Ein einfaches Raumthermometer zeigt Ihnen, ob Sie einen Strich höher oder tiefer drehen sollten.
Was bedeutet das Sternchen auf dem Thermostat?
Das Sternchen steht für den Frostschutz bei etwa 6 Grad. Der Heizkörper springt dann nur an, wenn es so kalt wird, dass etwas einfrieren könnte. Für bewohnte Räume ist diese Einstellung viel zu kalt.
Quellen und Grundlagen
- Umweltbundesamt: Empfehlungen zu Raumtemperaturen und Energiesparen beim Heizen
- DIN EN 215: Norm für thermostatische Heizkörperventile
- Herstellerangaben gängiger Thermostatköpfe zur Skaleneinteilung
- Verbraucherzentrale: Energieberatung und Informationen zum Heizen
Stand: 12. Oktober 2026.
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