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Gefrierschrank abtauen: So geht es in einer Stunde (und warum Messer und Föhn tabu sind)

Frau Mitte dreißig mit rotbraunen hochgesteckten Haaren kniet vor einem geöffneten, vereisten Gefrierschrank und stellt eine Schüssel mit dampfendem Wasser hinein, auf dem Boden liegen Handtücher
Eine Schüssel heißes Wasser, Tür zu, nach zwanzig Minuten wechseln: Mehr Technik braucht es nicht. (Symbolbild: Immomeg)

Wenn die Schublade klemmt und das Eis an den Wänden wächst, kostet der Gefrierschrank jeden Tag mehr Strom. Haushaltsredakteurin Nora Albers zeigt, wie das Abtauen mit heißem Wasser schnell geht, warum der November ein guter Zeitpunkt ist und welche Abkürzungen das Gerät ruinieren können.

7 Min. Lesezeit Geprüft am 07.11.2026

Das Wichtigste in Kürze

  • Abtauen lohnt sich, sobald die Eisschicht etwa 5 Millimeter dick ist, bei den meisten Geräten ein- bis zweimal im Jahr; No-Frost-Geräte müssen nicht abgetaut werden.
  • Am schnellsten geht es mit einer Schüssel heißem, aber nicht kochendem Wasser bei geschlossener Tür, das Wasser alle 15 bis 20 Minuten wechseln.
  • Nie mit Messer, Schraubenzieher oder Eispickel kratzen: Wer die Kühlleitungen beschädigt, kann das Gerät zerstören, das Kältemittel ist zudem meist brennbar.
  • Kein Föhn und kein Heizlüfter im nassen Gerät, Strom und Schmelzwasser vertragen sich nicht.
  • Im Winter bleibt Gefriergut in einer Kühltasche mit Kühlakkus und Decke gut eine bis zwei Stunden gefroren.
Inhalt dieses Artikels
  1. Ab wann sich das Abtauen lohnt
  2. Warum jetzt im November ein guter Zeitpunkt ist
  3. Die Vorbereitung: Am Abend vorher
  4. Schritt für Schritt: Abtauen in rund einer Stunde
  5. Was Sie auf keinen Fall tun sollten
  6. Ist das Gefriergut angetaut: Darf es wieder eingefroren werden?
  7. So bildet sich weniger Eis
  8. Häufige Fragen

Vergangenen Sonntag ging bei uns die unterste Schublade im Gefrierfach nicht mehr zu. Mein Partner hat sie zweimal kräftig zugeschoben, beim dritten Mal habe ich ihn gebremst. Hinter der Schublade hatte sich eine Eiswand gebildet, dick wie ein Taschenbuch. Unser Kühlschrank in der Kölner Altbauwohnung hat schon einiges mitgemacht, aber das war selbst für ihn neu.

Als frühere Energieberaterin weiß ich, was so ein Eispanzer kostet. Trotzdem schiebe auch ich das Abtauen gern vor mir her. Es klingt nach einem halben Tag Arbeit, nach überlaufenden Pfützen und nach Tiefkühlpizza, die langsam weich wird.

Es geht schneller. Bei uns war das Gefrierfach nach gut einer Stunde wieder eisfrei, sauber und angeschaltet. So bin ich vorgegangen, und das sollten Sie auf keinen Fall machen.

Ab wann sich das Abtauen lohnt

Eis entsteht, wenn feuchte Raumluft beim Öffnen hineinkommt und an den kalten Flächen gefriert. Die Eisschicht wirkt dann wie eine Dämmung zwischen Kälteerzeugung und Gefriergut. Das Gerät muss länger laufen, um die gleiche Temperatur zu halten.

Als Faustregel gilt: Abtauen, sobald die Schicht etwa 5 Millimeter dick ist. Bei den meisten Geräten ist das ein- bis zweimal im Jahr der Fall, bei häufigem Öffnen oder einer undichten Tür öfter.

Was das in Euro bedeuten kann, zeigt eine einfache Beispielrechnung. Angenommen, Ihr Gefrierschrank verbraucht ohne Eis 200 Kilowattstunden im Jahr und Sie zahlen 40 Cent pro Kilowattstunde. Das sind 80 Euro. Treibt eine dicke Eisschicht den Verbrauch um ein Viertel nach oben, zahlen Sie 20 Euro im Jahr zusätzlich. Wie stark der Effekt wirklich ist, hängt vom Gerät und der Eisdicke ab. Die Richtung stimmt aber immer: Mehr Eis heißt mehr Strom.

Warum jetzt im November ein guter Zeitpunkt ist

Der beste Moment zum Abtauen ist, wenn wenig im Gerät liegt und es draußen kühl ist. Beides passt jetzt oft: Die Sommervorräte sind aufgebraucht, und wer vor Weihnachten Plätzchenteig, Gans oder Braten einfrieren will, braucht ohnehin Platz.

In der kalten Jahreszeit bleibt das Gefriergut außerdem deutlich länger gefroren, wenn Sie es eng zusammengepackt in einer Kühltasche oder Kühlbox lagern. Ist es draußen dauerhaft unter null Grad, können Sie die Box auch auf den Balkon stellen, im Schatten und mit Deckel. Bei Sonne oder Temperaturen über dem Gefrierpunkt bleibt sie besser in der Wohnung, am kühlsten Ort, den Sie haben.

Die Vorbereitung: Am Abend vorher

Fünf Minuten am Vorabend sparen am nächsten Tag viel Stress.

  • Schnellgefrieren einschalten. Viele Geräte haben eine Taste für Super- oder Schnellgefrieren. Schalten Sie sie etwa zwölf bis 24 Stunden vorher ein, dann ist das Gefriergut besonders kalt und hält beim Abtauen länger. Wie lange die Funktion laufen darf, steht in der Anleitung.
  • Kühlakkus einfrieren, so viele Sie haben.
  • Kühltasche oder Kühlbox bereitstellen, dazu eine Wolldecke oder ein dickes Handtuch.
  • Nichts mehr nachkaufen. Je leerer das Gerät, desto schneller sind Sie fertig.

Schritt für Schritt: Abtauen in rund einer Stunde

  1. Gerät ausschalten und den Stecker ziehen. Bei einer Kühl-Gefrier-Kombination mit nur einem Stromkreis tauen Sie automatisch auch den Kühlteil ab. Dann kommt auch dessen Inhalt in die Kühltasche.
  2. Ausräumen. Gefriergut eng zusammen in die Kühltasche, Kühlakkus dazwischen und obendrauf, Decke darüber. Lose Eisstücke, die sich schon von selbst lösen, gleich mit herausnehmen.
  3. Boden schützen. Legen Sie alte Handtücher oder ein Scheuertuch vor und unter das Gerät. Hat es einen Tauwasserablauf, stellen Sie eine flache Schale darunter oder stecken die Ablaufrinne ein, sofern vorhanden.
  4. Heißes Wasser hineinstellen. Eine Schüssel oder einen Topf mit heißem Wasser, nicht kochend, auf ein Brett oder ein gefaltetes Handtuch ins Gerät stellen, damit der Kunststoff keinen Hitzeschock bekommt. Tür schließen.
  5. Alle 15 bis 20 Minuten Wasser wechseln. Das Eis wird weich und löst sich in Platten von den Wänden. Diese können Sie vorsichtig mit den Händen oder einem Holz- oder Kunststoffschaber abnehmen, ohne Druck.
  6. Schmelzwasser aufnehmen. Mit einem Schwamm oder Lappen, und die Handtücher vor dem Gerät zwischendurch auswringen.
  7. Auswischen und trocknen. Warmes Wasser mit einem Schuss Spülmittel oder etwas Essig reicht. Danach alle Flächen und die Türdichtung gründlich trocken reiben, sonst friert die Restfeuchte gleich wieder an.
  8. Wieder einschalten. Tür zu, Gerät anschalten und, wenn vorhanden, die Schnellgefrierfunktion aktivieren. Warten Sie etwa eine halbe Stunde, bis sich die Fächer spürbar kalt anfühlen, und räumen Sie das noch gefrorene Gefriergut dann zügig wieder ein. Es kühlt das Gerät zusätzlich. Was die Hersteller empfehlen, steht in der Anleitung. Denken Sie daran, die Schnellgefrierfunktion nach der angegebenen Zeit wieder auszuschalten.

Bei unserem kleinen Gefrierfach mit drei Schubladen hat es mit drei Schüsseln Wasser gut eine Stunde gedauert. Ein großer, stark vereister Gefrierschrank braucht entsprechend länger.

Gefrorene Lebensmittel, Gefrierbeutel und Kühlakkus in einer Kühltasche auf dem Küchenboden, daneben eine Wolldecke
Eng gepackt und mit Decke abgedeckt bleibt das Gefriergut ein, zwei Stunden lang gefroren.

Was Sie auf keinen Fall tun sollten

Ich verstehe die Ungeduld. Ich habe sie selbst. Aber die folgenden Abkürzungen können ein funktionierendes Gerät in einen Fall für den Sperrmüll verwandeln.

AbkürzungWarum sie eine schlechte Idee ist
Messer oder Schraubenzieherbeschädigt Kühlleitungen und Kunststoffverkleidung
Föhnelektrisches Gerät in der Nähe von Schmelzwasser, Kunststoff kann sich verformen
Heizlüfter vor die offene TürStromschlag- und Brandrisiko auf nassem Boden, verbraucht viel Strom
kochendes Wasser direkt aufs EisKunststoff kann reißen oder sich verziehen
Salz aufs Eis streuenSalzwasser greift Metallteile an und läuft in Ritzen

Den Föhn höre ich als Tipp besonders oft. Selbst wenn nichts passiert, ist er kaum schneller als die Schüssel Wasser. Wie viel Strom ein Heizlüfter in einer Stunde zieht, habe ich übrigens in einem eigenen Artikel zu den Stromkosten von Heizlüftern ausgerechnet.

Ist das Gefriergut angetaut: Darf es wieder eingefroren werden?

Bei einer Stunde Abtauen in einer guten Kühltasche taut in der Regel nichts an. Wenn doch, hilft diese Orientierung:

  • Noch hart oder mit Eiskristallen: Das Lebensmittel war nur oberflächlich weich und kann zurück ins Gerät.
  • Ganz aufgetaut, aber noch kalt: Rohes Fleisch, Fisch oder Geflügel nicht wieder roh einfrieren. Garen Sie es zuerst, dann darf das fertige Gericht wieder eingefroren werden. Gemüse und Brot sind meist unkritisch, verlieren aber an Qualität.
  • Speiseeis, das flüssig geworden ist: wegwerfen. Es wird beim erneuten Einfrieren nicht nur körnig, sondern kann auch hygienisch problematisch sein.

Im Zweifel gilt die einfache Regel aus der Ernährungsberatung: Was komisch riecht, schmierig ist oder dessen Zustand Sie nicht einschätzen können, gehört in den Müll.

So bildet sich weniger Eis

Mit ein paar Gewohnheiten können Sie das nächste Abtauen deutlich hinauszögern.

  • Tür kurz öffnen. Überlegen Sie vorher, was Sie brauchen. Jede Minute offene Tür bringt feuchte Luft hinein.
  • Dichtung prüfen. Klemmen Sie ein Blatt Papier in die Tür. Lässt es sich leicht herausziehen, schließt die Dichtung an dieser Stelle nicht. Reinigen Sie sie mit warmem Wasser, eine kaputte Dichtung lässt sich beim Hersteller oft nachbestellen.
  • Nur abgekühlte Speisen einfrieren. Warmes Essen gibt Feuchtigkeit ab, die sofort an den Wänden gefriert.
  • Gut verpacken. Luftdichte Dosen und Gefrierbeutel halten die Feuchtigkeit der Lebensmittel drin.
  • Temperatur richtig einstellen. Minus 18 Grad reichen. Kälter bringt keinen Vorteil, kostet aber Strom. Wie Sie die Temperatur im Kühl- und Gefrierteil prüfen, steht im Artikel Kühlschrank auf 7 Grad.

Unser Gefrierfach ist übrigens seit Sonntag wieder eine Freude. Alle drei Schubladen gehen zu, und in die unterste passt jetzt sogar die Eismaschine meiner Tochter. Die braucht sie im November zwar nicht. Aber sie besteht darauf.

Häufige Fragen

Wie oft sollte man den Gefrierschrank abtauen?

Sobald die Eisschicht etwa 5 Millimeter dick ist, bei den meisten Geräten ein- bis zweimal im Jahr. No-Frost-Geräte müssen nicht abgetaut werden.

Wie geht das Abtauen am schnellsten?

Mit einer Schüssel heißem, aber nicht kochendem Wasser im Gerät bei geschlossener Tür. Wechseln Sie das Wasser alle 15 bis 20 Minuten. Das Eis löst sich dann in Platten und lässt sich ohne Werkzeug abnehmen.

Darf ich zum Abtauen einen Föhn benutzen?

Davon ist abzuraten. Ein Elektrogerät in der Nähe von Schmelzwasser birgt ein Stromschlagrisiko, und der Kunststoff im Gerät kann sich durch die heiße Luft verformen. Die Schüssel mit heißem Wasser ist kaum langsamer.

Wie lange muss der Gefrierschrank nach dem Abtauen laufen, bevor ich einräume?

Meist reicht etwa eine halbe Stunde, bis sich die Fächer spürbar kalt anfühlen. Räumen Sie das noch gefrorene Gefriergut dann zügig ein und schalten Sie, wenn vorhanden, die Schnellgefrierfunktion ein. Genaue Angaben stehen in der Bedienungsanleitung.

Quellen und Grundlagen

  • Verbraucherzentrale: Hinweise zu Kühl- und Gefriergeräten und Energiesparen
  • co2online: Ratgeber Kühl- und Gefriergeräte
  • Bundeszentrum für Ernährung (BZfE): Einfrieren und Auftauen von Lebensmitteln
  • Bedienungsanleitungen gängiger Hersteller von Gefriergeräten

Stand: 7. November 2026.

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