Heizkörper gluckert? So entlüften Sie ihn in fünf Minuten (und diesen Schritt danach vergessen viele)
Wenn der Heizkörper gluckert und oben kalt bleibt, steckt meist Luft darin. Mit einem Entlüftungsschlüssel für wenige Euro ist das in fünf Minuten behoben. Entscheidend ist aber der Schritt danach, und den kennen erstaunlich wenige.
Das Wichtigste in Kürze
- Gluckern, Rauschen und ein Heizkörper, der oben kalt und unten warm ist, sind typische Anzeichen für Luft im Heizkörper.
- Zum Entlüften reichen ein Vierkant-Entlüftungsschlüssel für wenige Euro, ein Tuch und ein Glas.
- Das Ventil wird nur eine Viertel- bis halbe Umdrehung geöffnet und geschlossen, sobald gleichmäßig Wasser austritt.
- Danach den Anlagendruck am Manometer prüfen, im Einfamilienhaus häufig etwa 1 bis 2 bar; maßgeblich ist die Herstellerangabe.
Inhalt dieses Artikels
In meinem ersten Winter in Köln habe ich eine Woche lang mit Strickjacke und Wollsocken im Wohnzimmer gesessen. Der Heizkörper unter dem Fenster war unten warm und oben kalt, und abends gluckerte er, als würde jemand in der Wand eine Flasche ausgießen. Ich habe am Thermostat gedreht, mich geärgert und überlegt, ob ich die Vermieterin anrufen soll.
Das ist eine Weile her, und ich wusste damals deutlich weniger über Heizungen als heute. Irgendwann habe ich mir im Baumarkt für ein paar Euro einen Entlüftungsschlüssel gekauft. Ein paar Sekunden Zischen, ein paar Tropfen Wasser, und am nächsten Morgen war der Heizkörper überall warm. Eine Woche Frieren für fünf Minuten Arbeit.
Seitdem entlüfte ich jeden Herbst. Hier ist die Anleitung, und zwar mit dem Schritt, den die meisten danach vergessen.
Woran Sie Luft im Heizkörper erkennen
Dass sich mit der Zeit etwas Luft im Heizungssystem sammelt, ist normal. Viele entlüften ihre Heizkörper deshalb zu Beginn der Heizsaison, also ungefähr jetzt. Die Luft steigt nach oben und setzt sich im oberen Teil des Heizkörpers fest. Dort kommt dann kein heißes Wasser mehr hin.
Typische Anzeichen sind:
- Der Heizkörper gluckert, plätschert oder rauscht.
- Er ist unten warm, oben aber kalt oder nur lauwarm.
- Das Zimmer wird trotz aufgedrehtem Thermostat nicht richtig warm.
Bleibt der Heizkörper dagegen komplett kalt, kann auch etwas anderes dahinterstecken. Dazu weiter unten mehr.
Das brauchen Sie, und mehr nicht
- Einen Entlüftungsschlüssel. Das ist ein kleiner Schlüssel mit Vierkant, den es im Baumarkt für wenige Euro gibt. Bei manchen Ventilen reicht ein Schlitzschraubendreher, das erkennen Sie an der Kerbe im Ventil.
- Ein Tuch. Am besten ein altes Geschirrtuch, das Flecken verträgt.
- Ein Glas oder einen Becher. Damit fangen Sie das Wasser auf, das am Ende austritt.
Das Entlüftungsventil selbst sitzt an einer der oberen Ecken des Heizkörpers, meist ein kleiner runder Stutzen mit einem Vierkant in der Mitte. Ich habe inzwischen zwei Schlüssel, einen im Werkzeugkasten und einen in der Flurschublade. Gefunden wird trotzdem immer nur einer.
So entlüften Sie Schritt für Schritt
- Heizkörper aufdrehen. Drehen Sie das Thermostat ganz auf, damit der Heizkörper richtig warm wird. Das ist der einzige Moment, in dem Stufe 5 bei uns Sinn ergibt. Warum sie sonst nichts bringt, steht in unserem Artikel über die Zahlen am Thermostat.
- Pumpe aus und warten. Im Einfamilienhaus schalten Sie, wenn möglich, die Umwälzpumpe oder die Heizung aus und warten etwa eine Stunde. In dieser Zeit sammelt sich die Luft oben im Heizkörper. In der Mietwohnung mit Zentralheizung kommen Sie an die Pumpe meist nicht heran und entlüften bei laufender Heizung.
- Tuch und Glas bereithalten. Halten Sie das Glas direkt unter das Ventil und legen Sie das Tuch darunter.
- Ventil langsam öffnen. Setzen Sie den Schlüssel auf und drehen Sie ihn gegen den Uhrzeigersinn, etwa eine Viertel- bis halbe Umdrehung. Jetzt zischt es, die Luft entweicht. Drehen Sie das Ventil nie ganz heraus.
- Schließen, sobald Wasser kommt. Tritt statt Luft gleichmäßig Wasser aus, ohne Spritzen und Blubbern, drehen Sie das Ventil wieder zu. Fest genug, dass nichts tropft, aber ohne Gewalt.
- Die nächsten Heizkörper entlüften. In mehrstöckigen Häusern arbeitet man sich dabei üblicherweise von unten nach oben vor.
- Druck prüfen, dann Pumpe wieder an. Zum Druck gleich mehr. Zum Schluss stellen Sie die Thermostate zurück auf Ihre gewohnte Stufe.

Der vergessene Schritt: der Blick aufs Manometer
Beim Entlüften verlässt nicht nur Luft das System, sondern auch ein wenig Wasser. Dadurch kann der Druck in der Heizungsanlage sinken, vor allem wenn Sie mehrere Heizkörper entlüftet haben. Ist er zu niedrig, werden die Heizkörper womöglich trotz aller Mühe nicht richtig warm.
Den Anlagendruck zeigt ein Manometer an, ein rundes Messgerät an der Heizung oder an der Therme. Im Einfamilienhaus liegt der Druck häufig etwa zwischen 1 und 2 bar. Maßgeblich ist aber immer, was der Hersteller Ihrer Anlage angibt. Viele Manometer haben dafür eine Markierung oder einen farbigen Bereich.
Ist der Druck zu niedrig, muss Wasser nachgefüllt werden. Wie das bei Ihrem Gerät geht, steht in der Bedienungsanleitung. Wer sich das nicht zutraut, ruft einen Fachbetrieb.
In der Mietwohnung gilt etwas anderes
In Mietwohnungen mit Zentralheizung dürfen Sie die Heizkörper in der Regel selbst entlüften. Um den Anlagendruck kümmern sich aber Hausmeister oder Vermieter. Geben Sie deshalb Bescheid, wenn Sie entlüftet haben, gerade wenn es mehrere Heizkörper waren. Bei uns im Haus genügt eine kurze Nachricht an den Hausmeister, der dann im Keller nachsieht.
Wenn es nach dem Entlüften nicht besser wird
Manchmal ist die Luft nach ein paar Tagen wieder da, oder der Heizkörper bleibt trotz allem kalt. Dann lohnt sich ein genauer Blick:
- Es kommt ständig neue Luft ins System. Müssen Sie alle paar Wochen wieder entlüften, gehört die Anlage in die Hände eines Fachbetriebs. Mögliche Ursachen sind eine Undichtigkeit oder ein Problem mit dem Ausdehnungsgefäß.
- Manche Räume werden warm, andere nicht. Dann kann ein hydraulischer Abgleich helfen. Dabei stellt ein Fachbetrieb die Anlage so ein, dass jeder Heizkörper die passende Menge Heizungswasser bekommt.
- In der Mietwohnung bleibt es kalt. Haben Sie Thermostat und Entlüften geprüft und es wird trotzdem nicht warm, ist der Vermieter gefragt. Was Sie dann tun können und wann eine Minderung in Frage kommt, erklärt unser Artikel zu kalter Heizung und Mietminderung.
Was ich seit meinem ersten Kölner Winter anders mache
Seit dieser frostigen Woche entlüfte ich jeden Herbst alle Heizkörper in unserer Wohnung, bevor es richtig kalt wird. Mit Kaffeepause dauert das eine knappe halbe Stunde. Unsere dreijährige Tochter steht inzwischen mit Sicherheitsabstand daneben und kommentiert jedes Zischen.
Danach schicke ich dem Hausmeister eine kurze Nachricht. Am Anfang kam mir das übertrieben vor. Dann hat er einmal tatsächlich Wasser nachgefüllt, und seitdem schreibe ich sie ohne schlechtes Gewissen.
Und wenn mir heute jemand erzählt, dass er mit Strickjacke vor einem gluckernden Heizkörper sitzt, frage ich als Erstes nach dem Entlüftungsschlüssel. Erstaunlich oft folgt dann ein verlegenes Lächeln.
Häufige Fragen
Wie oft sollte ich meine Heizkörper entlüften?
Viele entlüften einmal zu Beginn der Heizsaison. Außerdem immer dann, wenn ein Heizkörper gluckert oder oben kalt bleibt. Müssen Sie sehr häufig entlüften, sollte ein Fachbetrieb die Anlage prüfen.
Darf ich als Mieter selbst entlüften?
In der Regel ja, das Entlüften der Heizkörper in der eigenen Wohnung können Mieter selbst übernehmen. Den Anlagendruck regeln bei einer Zentralheizung aber Hausmeister oder Vermieter, deshalb sollten Sie Bescheid geben. Im Zweifel hilft ein Blick in den Mietvertrag oder eine Nachfrage beim Mieterverein.
Was tun, wenn das Ventil nach dem Entlüften tropft?
Drehen Sie es vorsichtig ein kleines Stück weiter zu, ohne Gewalt. Tropft es danach weiter, ist womöglich die Dichtung im Ventil verschlissen, und ein Fachbetrieb sollte sich das ansehen. In der Mietwohnung informieren Sie den Vermieter.
Welcher Druck ist bei der Heizung normal?
Im Einfamilienhaus liegt der Anlagendruck häufig etwa zwischen 1 und 2 bar. Entscheidend ist die Angabe des Herstellers, die Sie in der Anleitung oder als Markierung am Manometer finden. Ist der Druck zu niedrig, wird Wasser nachgefüllt, nach Anleitung oder durch einen Fachbetrieb.
Quellen und Grundlagen
- Bedienungs- und Wartungsanleitungen gängiger Heizgeräte zum Anlagendruck
- Verbraucherzentrale: Informationen zum Heizen und zur Heizungsoptimierung
- Umweltbundesamt: Hinweise zum energiesparenden Heizen
Stand: 12. Oktober 2026.
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