Warum bringt der Schornsteinfeger Glück? Die Geschichte hinter dem Brauch (und was er heute bei Ihnen im Keller prüft)
Manche fassen ihm an den Knopf, Brautpaare freuen sich über ihn, zu Silvester steht er auf jeder Glückwunschkarte. Matthias Kröger erklärt, warum ausgerechnet der Mann mit dem Ruß Glück bringen soll und was die Feuerstättenschau mit Ihrer Heizung zu tun hat.
Das Wichtigste in Kürze
- Als Glücksbringer gilt der Schornsteinfeger, weil saubere Schornsteine früher Brände verhinderten, die in eng bebauten Städten mit Holzhäusern schnell ganze Viertel zerstören konnten.
- Zum Jahreswechsel zogen Schornsteinfeger traditionell von Haus zu Haus, überbrachten gute Wünsche und rechneten ihren Lohn ab; daher gehört er bis heute zu den Neujahrsglücksbringern.
- Der bevollmächtigte Bezirksschornsteinfeger führt zweimal in sieben Jahren die Feuerstättenschau durch; Kehren und Messen dürfen Eigentümer seit 2013 bei jedem zugelassenen Schornsteinfegerbetrieb beauftragen.
- In Mietwohnungen gehören die Kosten der Schornsteinreinigung zu den Betriebskosten, die auf Mieter umgelegt werden dürfen, wenn der Mietvertrag das vorsieht.
Inhalt dieses Artikels
In der Leipziger Hausverwaltung hing jeden Herbst derselbe Zettel im Treppenhaus: „Der Schornsteinfeger kommt am Dienstag zwischen 8 und 12 Uhr. Bitte ermöglichen Sie den Zugang.“ Und jedes Jahr bekam ich hinterher Anrufe von Mieterinnen, die nicht etwa über die frühe Uhrzeit klagten. Sie wollten wissen, ob der Schornsteinfeger noch einmal käme. Sie hätten ihn verpasst, und eigentlich hätten sie ihm gern an den Knopf gefasst.
Ich habe mich damals gefragt, woher das kommt. Kein Mensch freut sich, wenn der Heizungsableser kommt. Beim Schornsteinfeger lächeln selbst Leute, die sonst keinen Handwerker in die Wohnung lassen wollen.
Woher der Glücksbringer kommt
Die gängigste Erklärung reicht weit zurück. Über Jahrhunderte wurde in Deutschland mit offenem Feuer gekocht und geheizt, mit Holz und später mit Kohle. Die Häuser standen dicht an dicht, viele waren aus Holz und Fachwerk, die Dächer teils mit Stroh gedeckt.
In den Schornsteinen setzte sich Ruß ab. Der kann sich entzünden, und ein solcher Schornsteinbrand konnte in einer eng bebauten Stadt schnell auf die Nachbarhäuser überspringen. Stadtbrände, die ganze Viertel zerstörten, waren lange keine Seltenheit.
Wer seinen Schornstein regelmäßig kehren ließ, hatte also im wörtlichen Sinne Glück: Das Haus brannte nicht ab, der Ofen zog gut, das Essen wurde warm. Der Mann mit dem Ruß im Gesicht stand für Sicherheit.
Dazu kommt ein zweiter Grund: Zum Jahreswechsel zogen Schornsteinfeger traditionell von Haus zu Haus, überbrachten ihre Neujahrswünsche und rechneten dabei ihren Lohn ab. So wurde der Schornsteinfeger zum ersten Glücksboten des neuen Jahres. Bis heute steht er auf Silvesterkarten neben Glücksschwein, Kleeblatt, Hufeisen und Fliegenpilz.
Knopf, Zylinder und schwarze Kluft
Wer einen Schornsteinfeger trifft, soll ihm an einen der goldenen Knöpfe fassen und sich dabei etwas wünschen. Manche drehen den Knopf dabei, andere fassen zur Sicherheit an ihren eigenen. Eine einheitliche Regel gibt es nicht, es ist eben Volksglaube. Auch etwas Ruß abzubekommen, gilt vielerorts als gutes Zeichen. Brautpaare freuen sich, wenn ihnen am Hochzeitstag ein Schornsteinfeger über den Weg läuft, und manche laden sich eigens einen ein.
Die schwarze Kleidung hat einen ganz praktischen Grund: Auf Schwarz sieht man den Ruß nicht. Der Zylinder gehört zur traditionellen Berufskleidung. Manche tragen ihn bei der Arbeit, viele vor allem zu besonderen Anlässen wie Hochzeiten oder Neujahrsbesuchen. Auf dem Dach zählen heute ohnehin vor allem Sicherheitsausrüstung und Absturzsicherung.

Was der Schornsteinfeger heute wirklich macht
Mit Kehrbesen und Kugel arbeitet er immer noch, vor allem bei Kaminöfen, Kachelöfen und Ölheizungen. Viel häufiger aber steht er heute mit einem Messgerät im Keller. Er prüft, ob die Abgase der Heizung sicher abziehen, ob die Anlage die Grenzwerte einhält und ob von der Feuerstätte eine Gefahr ausgeht, etwa durch Kohlenmonoxid.
Seit einer Reform, die 2013 vollständig in Kraft trat, ist die Arbeit zweigeteilt:
- Der bevollmächtigte Bezirksschornsteinfeger wird für einen Kehrbezirk jeweils für sieben Jahre bestellt. Er führt in dieser Zeit zweimal die Feuerstättenschau durch. Dabei sieht er sich alle Feuerstätten im Haus an und legt im Feuerstättenbescheid fest, welche Arbeiten wann fällig sind.
- Das Kehren, Messen und Überprüfen dürfen Eigentümer bei jedem zugelassenen Schornsteinfegerbetrieb beauftragen. Wer nicht den Bezirksschornsteinfeger nimmt, muss diesem fristgerecht nachweisen, dass die Arbeiten erledigt sind. Dafür gibt es ein Formblatt.
Wie oft gemessen wird, hängt von Brennstoff und Alter der Anlage ab. Bei Öl- und Gasheizungen ist es je nach Alter etwa alle zwei oder drei Jahre. Wer einen neuen Kaminofen aufstellen will, braucht vor der ersten Benutzung die Abnahme durch den Bezirksschornsteinfeger.
Und wer bezahlt das?
Eigentümer zahlen den Schornsteinfeger selbst. Die Gebühren für die hoheitlichen Aufgaben des Bezirksschornsteinfegers, etwa die Feuerstättenschau, sind gesetzlich geregelt. Für Kehren und Messen können Sie Angebote vergleichen.
In Mietwohnungen tauchen die Kosten in der Nebenkostenabrechnung auf. Die Schornsteinreinigung gehört nach der Betriebskostenverordnung zu den Kosten, die der Vermieter umlegen darf, wenn das im Mietvertrag vereinbart ist. Die Messkosten für die Heizung laufen meist über die Heizkosten. Wie Sie die Abrechnung prüfen, steht in unserem Artikel über die Nebenkostenabrechnung.
Als Mieter müssen Sie dem Schornsteinfeger den Zugang ermöglichen, wenn er sich angekündigt hat. Passt der Termin gar nicht, rufen Sie kurz an. In meiner Erfahrung waren Schornsteinfeger beim Verschieben sehr entgegenkommend, solange man sich vorher gemeldet hat.
Übrigens: Wie es bei Handwerkern auf dem Bau mit Brauchtum weitergeht, steht in unserem Artikel über das Richtfest. Auch dort spielt das Glück eine große Rolle.
Häufige Fragen
Warum soll man einem Schornsteinfeger an den Knopf fassen?
Das ist ein Volksbrauch: Wer einen Schornsteinfeger trifft und einen seiner goldenen Knöpfe berührt, darf sich etwas wünschen und soll Glück haben. Dahinter steht die alte Bedeutung des Schornsteinfegers als Beschützer vor Bränden.
Wie oft kommt der Schornsteinfeger?
Das hängt von der Feuerstätte ab und steht im Feuerstättenbescheid. Die Feuerstättenschau durch den Bezirksschornsteinfeger findet zweimal in sieben Jahren statt. Messungen an Öl- und Gasheizungen sind je nach Alter der Anlage etwa alle zwei bis drei Jahre fällig, Kaminöfen werden meist häufiger gekehrt.
Muss ich den Schornsteinfeger in meine Wohnung lassen?
Ja, wenn er Arbeiten an einer Feuerstätte oder Abgasanlage in Ihrer Wohnung erledigen muss und sich angekündigt hat. Passt der Termin nicht, sollten Sie sich rechtzeitig melden und einen anderen vereinbaren.
Quellen und Grundlagen
- Schornsteinfeger-Handwerksgesetz (SchfHwG)
- Kehr- und Überprüfungsordnung (KÜO)
- Erste Verordnung zur Durchführung des Bundes-Immissionsschutzgesetzes (1. BImSchV)
- § 2 Betriebskostenverordnung (BetrKV)
- Bundesverband des Schornsteinfegerhandwerks: Informationen zu Brauchtum und Aufgaben des Handwerks
Stand: 17. Oktober 2026.
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