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Schrebergarten: Warum er nach einem Arzt heißt, der selbst nie einen hatte

Lebendige Kleingartenanlage mit buntem Holzhäuschen, Hochbeeten und Sonnenblumen, ein älteres Paar erntet lachend Gemüse
Laube, Beete, Sonnenblumen: So stellt man sich den Schrebergarten vor, und meistens stimmt das auch. (Symbolbild: Immomeg)

Der Leipziger Arzt Moritz Schreber war schon drei Jahre tot, als der erste Schreberverein gegründet wurde. Wie aus einem Spielplatz die Keimzelle der deutschen Kleingärten wurde und welche Regeln heute für Laube, Beete und Pacht gelten.

6 Min. Lesezeit Geprüft am 12.10.2026

Das Wichtigste in Kürze

  • Namensgeber ist der Leipziger Arzt Moritz Schreber (1808 bis 1861), der selbst nie einen Kleingarten angelegt hat.
  • 1864 gründete der Leipziger Schuldirektor Ernst Innozenz Hauschild den Schreberverein; zunächst ging es um einen Spielplatz für Kinder.
  • Nach dem Bundeskleingartengesetz darf die Laube höchstens 24 Quadratmeter Grundfläche einschließlich überdachtem Freisitz haben und nicht zum dauerhaften Wohnen dienen.
  • In Deutschland gibt es nach Angaben des Bundesverbands Deutscher Gartenfreunde rund 900.000 Kleingärten.
Inhalt dieses Artikels
  1. Moritz Schreber: Ein Arzt, der Kinder in Bewegung bringen wollte
  2. 1864: Ein Verein, ein Spielplatz und ein Lehrer mit Beeten
  3. Schrebergarten, Kleingarten, Parzelle: Ein Garten mit vielen Namen
  4. 24 Quadratmeter und ein Drittel Gemüse: Was das Gesetz verlangt
  5. Rund 900.000 Gärten und trotzdem lange Wartelisten
  6. Was ich aus Opas Kleingarten mitgenommen habe
  7. Häufige Fragen

Der Mann, nach dem der Schrebergarten heißt, hatte nie einen. Moritz Schreber war Arzt in Leipzig und starb 1861. Als drei Jahre später der erste Schreberverein gegründet wurde, ging es dort nicht um Kohl und Kartoffeln, sondern um einen Spielplatz für Kinder.

Als Kind wusste ich davon nichts. Ich habe viele Sommer im Kleingarten meiner Großeltern in Hannover verbracht, zwischen Johannisbeersträuchern, Regentonne und einer Laube, in der es nach Holz und Kaffee roch. Schrebergarten war für mich einfach ein anderes Wort für Sommerferien.

Heute bin ich Gärtnermeisterin, und die Geschichte hinter dem Namen finde ich fast so spannend wie das Gärtnern selbst. Sie beginnt bei einem strengen Arzt und endet bei einem Gesetz, das bis heute die Größe jeder Laube regelt.

Moritz Schreber: Ein Arzt, der Kinder in Bewegung bringen wollte

Moritz Schreber lebte von 1808 bis 1861. Er war Arzt und Orthopäde in Leipzig und setzte sich dafür ein, dass Kinder sich mehr bewegen und gesünder aufwachsen. Das klingt ziemlich modern.

Schreber galt aber auch als sehr strenger Erziehungsreformer. Er entwarf Geräte, die Kindern eine gerade Körperhaltung beibringen sollten. Am bekanntesten ist der sogenannte Geradehalter, eine Vorrichtung, die Kinder beim Sitzen am Tisch zu einer aufrechten Haltung zwingen sollte. Aus heutiger Sicht wirken solche Methoden befremdlich. Wenn ich mir das vorstelle, bin ich heilfroh, dass mich meine Großeltern im Garten einfach haben buddeln lassen.

Einen Kleingarten hat Schreber selbst nie angelegt. Sein Name kam erst nach seinem Tod ins Spiel, und zwar auf einem Umweg.

1864: Ein Verein, ein Spielplatz und ein Lehrer mit Beeten

Ganz neu war die Idee von Gärten für Stadtbewohner damals nicht. Schon früher im 19. Jahrhundert gab es sogenannte Armengärten, in denen Familien mit wenig Geld Gemüse anbauen konnten.

Neu war, was 1864 in Leipzig geschah. Der Schuldirektor Ernst Innozenz Hauschild gründete einen Verein und nannte ihn zu Ehren des verstorbenen Arztes „Schreberverein“. Zunächst ging es um etwas ganz anderes als Gemüse: Kinder sollten einen Platz zum Spielen und Toben bekommen, den Schreberplatz.

Dann kam der Lehrer Karl Gesell ins Spiel. Er legte am Rand des Spielplatzes Beete für Kinder an. Aus diesen Kinderbeeten wurden später Familiengärten, und die gelten als Keimzelle der Schrebergärten. Der Name des Vereins blieb an den Gärten hängen, nicht am Spielplatz.

Ich mag diese Wendung sehr. Die Beete lagen buchstäblich am Rand, und am Ende hat genau dieser Rand Geschichte geschrieben.

Reihen gepflegter Kleingärten mit kleinen Lauben, Hecken und schmalen Wegen, leicht von oben gesehen, Menschen bei der Gartenarbeit
Parzelle an Parzelle: In vielen Großstädten sind die Wartelisten für einen Kleingarten lang.

Schrebergarten, Kleingarten, Parzelle: Ein Garten mit vielen Namen

Im Gesetz heißt er Kleingarten. Im Alltag sagen viele Schrebergarten, Parzelle oder einfach „der Garten“. In Berlin nennt man die Kleingärtner Laubenpieper, was ich jedes Mal wieder herrlich finde.

Bei meinen Großeltern hieß es sonntags nach dem Frühstück immer nur: „Wir fahren raus.“ Jeder in der Familie wusste, wohin. Mit dem Rad ging es durch die halbe Stadt, die Thermoskanne im Korb.

Man könnte sagen: Schrebergarten ist das Wort mit der Geschichte, Kleingarten das Wort mit den Regeln. Und um die geht es jetzt.

24 Quadratmeter und ein Drittel Gemüse: Was das Gesetz verlangt

Heute regelt das Bundeskleingartengesetz von 1983, was im Kleingarten gilt. Ein paar Vorgaben überraschen Neulinge immer wieder.

RegelWas sie bedeutet
Laubehöchstens 24 Quadratmeter Grundfläche, der überdachte Freisitz zählt mit
WohnenDie Laube ist nicht zum dauerhaften Wohnen gedacht
Kleingärtnerische Nutzungein nennenswerter Teil der Fläche für Obst und Gemüse, nach Rechtsprechung des Bundesgerichtshofs in der Regel mindestens etwa ein Drittel
Pachtgesetzlich gedeckelt auf höchstens das Vierfache der ortsüblichen Pacht im erwerbsmäßigen Obst- und Gemüseanbau

Zum Vergleich: 24 Quadratmeter entsprechen zum Beispiel einer Fläche von 4 mal 6 Metern, und zwar samt Vordach über der Sitzecke. Viel Platz ist das nicht, aber für Werkzeug, Gartenstühle und einen Tisch für die Kaffeetafel reicht es.

Die Drittel-Regel lässt sich leicht ausrechnen. Bei einer Parzelle von 300 Quadratmetern sollten rund 100 Quadratmeter für Obst und Gemüse genutzt werden. Rasen, Blumen, Wege und Laube teilen sich den Rest.

Der Pachtdeckel erklärt, warum Kleingärten so günstig sind. Maßstab ist der Obst- und Gemüseanbau, nicht der Preis für Bauland. Je nach Verein kommen weitere Kosten dazu, etwa der Mitgliedsbeitrag.

Was im Einzelnen gilt, steht im Pachtvertrag und in der Gartenordnung des Vereins. Gibt es Streit, können der zuständige Verband der Gartenfreunde oder ein Anwalt weiterhelfen.

Rund 900.000 Gärten und trotzdem lange Wartelisten

Nach Angaben des Bundesverbands Deutscher Gartenfreunde gibt es in Deutschland rund 900.000 Kleingärten. Das klingt nach viel, reicht aber gerade in Großstädten oft nicht. Dort warten Bewerber nicht selten lange auf eine Parzelle.

Wer einen Garten möchte, kommt mit ein bisschen Vorbereitung weiter:

  1. Früh auf Wartelisten eintragen lassen, gern bei mehreren Vereinen in der Nähe.
  2. Die Vereinsregeln vorher lesen, zum Beispiel die Gartenordnung mit Vorgaben zu Hecken und Ruhezeiten.
  3. Gemeinschaftsstunden einplanen. Viele Vereine erwarten, dass Mitglieder bei gemeinsamen Arbeiten in der Anlage mit anpacken.
  4. Die eigene Zeit ehrlich einschätzen. Ein Kleingarten will regelmäßig gepflegt werden, auch im Urlaubsmonat.

Bis es so weit ist, geht auch auf dem Balkon schon einiges. Ein großer Topf mit Blumenzwiebeln in Schichten blüht im Frühjahr über viele Wochen, und gepflanzt wird genau jetzt im Oktober.

Was ich aus Opas Kleingarten mitgenommen habe

Mein Opa hat in seinem Kleingarten keine großen Experimente gemacht. Er hat Bohnen gezogen, die Hecke auf die vorgeschriebene Höhe geschnitten und mit den Nachbarn über den Zaun hinweg das Wetter besprochen. Einmal im Jahr war Gemeinschaftsdienst, dann hat er mit den anderen Pächtern die Wege der Anlage in Ordnung gebracht, und meine Oma hat für alle Kuchen mitgebracht. Ich habe dort gelernt, wie gute Erde riecht und dass Johannisbeeren süßer werden, wenn man ein paar Tage länger wartet, als man möchte.

Und Herbert stand damals schon da, der Gartenzwerg, der heute bei mir am Teich wohnt. Woher seine Verwandtschaft stammt, erzähle ich in Der Gartenzwerg kommt aus Thüringen.

Moritz Schreber würde sich vermutlich wundern, was aus seinem Namen geworden ist. Allen, die von einer eigenen Parzelle träumen, gebe ich eines mit: Sie pachten nicht nur ein Stück Land, sondern auch Nachbarn, einen Verein und ein paar Regeln. Wer damit leben kann, bekommt dafür ein Stück Grün mitten in der Stadt, wie es das zu diesem Preis sonst kaum gibt.

Häufige Fragen

Warum heißt der Schrebergarten Schrebergarten?

Der Name geht auf den Leipziger Arzt Moritz Schreber zurück. Nach seinem Tod gründete der Schuldirektor Ernst Innozenz Hauschild 1864 einen Verein, den er zu Ehren Schrebers „Schreberverein“ nannte. Aus Kinderbeeten am Spielplatz dieses Vereins entstanden später Familiengärten.

Wie groß darf eine Laube im Kleingarten sein?

Nach dem Bundeskleingartengesetz höchstens 24 Quadratmeter Grundfläche, einschließlich überdachtem Freisitz. Was zusätzlich gilt, etwa zu Ausstattung oder Bauweise, steht in der Gartenordnung Ihres Vereins.

Darf man im Schrebergarten wohnen?

Dauerhaft wohnen ist im Kleingarten nicht erlaubt, die Laube ist dafür nicht gedacht. Ob gelegentliches Übernachten geduldet wird, regeln Pachtvertrag und Gartenordnung. Fragen Sie im Zweifel beim Vereinsvorstand nach.

Wie viel Obst und Gemüse muss ich anbauen?

Ein nennenswerter Teil der Fläche muss dem Anbau von Obst und Gemüse dienen. Nach der Rechtsprechung des Bundesgerichtshofs ist das in der Regel mindestens etwa ein Drittel, bei 300 Quadratmetern also rund 100 Quadratmeter.

Quellen und Grundlagen

  • Bundeskleingartengesetz (BKleingG) von 1983
  • Bundesverband Deutscher Gartenfreunde e. V.
  • Deutsches Kleingärtnermuseum in Leipzig
  • Rechtsprechung des Bundesgerichtshofs zur kleingärtnerischen Nutzung

Stand: 12. Oktober 2026.

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